"Ich hab dich gestern abend in der Jazzbar gesehen", sagt eine Frau im Guesthouse in Pokara zu mir. "Ich bin Helen". Ja, ich erinnere mich. Sie hat mit der Band gesungen. Normalerweise kennen die Gaeste die Kuenstler und nicht umgekehrt. Helen hustet. "Ich habe mich vor ein paar Tagen verkuehlt", sagt sie. "In den Bergen hat es geschneit. Ich habe gemeinsam mit Holly und ihren drei Kindern den Berg Pune bestiegen. Das ist Holly und ihre kleine dreijaehrige Tochter Luana. Fuer Luana hat sie einen TRaeger gemietet so wie andere Leute fuers Gepaeck. Und obwohl diese Traeger bis zu 30 Kilo auf ihrem Ruecken schleppen, konnte der das kleine Maedchen nicht tragen. Maenner haben keine Hueften, wo die Kinder aufsitzen koennen.
Also hat Holly sie getragen, zwei Tage hinauf und der TRaeger das GEpaeck. Die zwei grossen Buben, 12 und 8 sind vorausgelaufen und der TRaeger, Shiva ist mit mir gegangen und Holly mit der KLeinen am Ruecken im Tragetuch hinten nach. Shiva hat mit mir geflirtet. Mein Freund hat mich vor ein paar Monaten verlassen. Das war zu Weihnachten und wir waren 6 Jahre zusammen und wollten heiraten. UNd ploetzlich wollte er seine Freiheit. Es war die Freiheit, mit einer 22-jaehrigen Deutschen zu voegeln. Und ich bin 42, wir haben uns in Goa kennen gelernt, ich lebe da seit 6 Jahren und bin Saengerin in einer Jazzband und er war der Gitarrist. Er ist Inder, aber in Dubai sehr westlich aufgewachsen und wollte ein Rockstar sein.
Holly lebt mit ihren Kindern schon seit 10 Jahren in Goa. In London hat sie ein Haus, das sie vermietet und mit dem Geld kann sie sich in Goa mit ein bisschen Verkaufen am Markt ein richtig gutes Leben leisten. Sie wohnt in einer alten portugisieschen Villa mit Hausmaedchen und Gaertner und die Kinder gehen in eine Privatschule. Der einzige Nachteil ist die Regenzeit, die demnaechst anfaengt. Die einzigen, die bleiben, sind die Muetter mit den Kindern, weil sie muessen. Die Maenner verfallen entweder komplett den Drogen oder sie gehen und bleiben weg. Von ihrem Mann hat sie sich vor eineinhalb Jahren getrennt. Sie moechte in Goa bleiben. Jetzt ist sie in Nepal, damit sie ein 5-Jahresvisum fuer sich und ihre Kinder bekommt. Mit etwas Geld unter der Hand geht das hier.
Fuer unsere Bergbesteigung musste ich mir ein paar Sachen kaufen, immerhin waren wir auf fast 3000 Meter. Wir sind mit unseren Turnschuhen gegangen und unseren 3/4 Hosen, aber Haarshampoo und TRockenfruechte hab ich eingepackt. Ich haette viel mehr TRockenfruechte kaufen sollen, denn alles, was man am Weg zu essen bekommt, ist Dal Bat, Reis und Linsencurry. Und das macht ziemlich viel Wind. Beim Gehen hat immer jemand gepfurzt und es hat dauernd gestunken. Waschen kann man sich auch nicht ordentlich, es gibt zwar Duschen, aber meist kein heisses Wasser und wenn, dann im Kuebel und wenn die Sonne weg ist, ist es eiskalt in den Huetten. Und in der Frueh mussten wir immer sehr schnell die Huetten verlassen, weil Luana in der Nacht immer ins Bett gemacht hat, was sie sonst nicht tut. Und Holly wollte weg sein, bevor es jemand bemerkt. Also hat sie Shiva und mich jedesmal aus dem Bett gescheucht, damit wir weiterkommen.
Einmal sind wir sieben Stunden gegangen, bergauf, bergab, bergauf, bergab, ueber Haengebruecken, Stufen hinauf und wieder hinunter. Die Buben sind immer vorausgelaufen, auch wenns geregnet hat. Am Schlimmsten war es, ueber die Haengebruecken zu gehen, wenn einem darauf eine Ziegenherde entgegen gekommen ist. Es hat auch geschneit und Holly hat ein Tuch ueber ihren Kopf und den Kopf von Luana gelegt und sie haben ausgeschaut wie Fluechtlinge. Eine nepalesische Frau hat sie zu sich in die Huette bzw unters Dach gewunken, damit sie sich waermen koennen und ihnen nepalesischen suessen Milchtee zu trinken gegeben. Mich hat ja Shiva gewaermt. Holly wollte, dass er zumindest die Buben beaufsichtigt, wenn sie ihn schon bezahlt. Aber er hatte nur Augen fuer mich und hat mich gefragt, willst du mich heiraten?. Am Abend in der Huette sind dann alle TRaeger zusammen gesessen und haben sich gegenseitig erzaehlt, was sie so gemacht haben. Ich glaube, Shiva hat auch erzaehlt, was wir so gemacht haben. Aber das haben sowieso alle gehoert, denn die Waende in den Huetten sind wiePapier. Ich habe das so genossen, nachdem mich mein Freund fuer eine 22-jahrige verlassen hat. Er ist ja immerhin erst 21, aber sehr gut gebaut, wenn du weisst, was ich meine.
Shiva ist ja der Gott der Zerstoerung und er hat meine Depression zerstoert. Das war das Beste an der Himalayabesteigung. Das Zweitbeste war der 360 Grad Rundumblick auf die achttausender Gipfel, als wir am Karfreitag oben angekommen sind. Das ist die Kaelte, den Schnee, das schlechte Essen, den Gestank und die Pfurzerei wert. Es stinken ja alle, wenn sie herunterkommen. Zuerst glaubt man, alle anderen, aber meist riecht man sich selber. Als wir wieder herunten waren, wollte mich Shiva seinen Eltern vorstellen, bevor wir heiraten oder dass ich ihn zumindest unterstuetze. Er moechte naemlich Taxifahrer werden.
Ich bin am Abend in die Jazzbar gegangen, ich will mir ja eine neue Band suchen, mit der ich singen kann. UNd tasaechlich waren da diese zwei Burschen aus Amerika, der am Bass war sogar aus New Orleans, und wir haben eine Jamsession angefangen. Und da hab ich dich reinkommen gesehen." Helen muss wieder husten und ich auch. Ich war nicht am Berg, aber am vormittag bei einem chinesischen Arzt, weil mein Husten immer wieder kommt. Er hat meinen Puls gefuehlt, meine Zunge angesehen und gesagt: zu viel Hitze. Dann hat er mir eine Infusion gegeben, ein paar Tabletten und einen Hustensaft und gesagt: eine Woche lang nichts kaltes trinken, keinen Alkohol und kein Chilli. Heute ist mein Husten schon viel besser.
Dienstag, 28. April 2009
Sonntag, 26. April 2009
Luftsprung
No rikhshaw, no tigerbalm, no hashish, no change money, no one rupie, no problem. Jedesmal, wenn wir in Thamel, dem Backpackerviertel in Nepals Hauptstadt Khatmandu das Guesthouse verlassen, muessen wir die gleichen Haendler abwehren. Ich bin mit Nicole, einer Australierin unterwegs, die ich am Flughafen beim Anstellen um ein nepalesisches Visum kennen gelernt habe. Beim Heimgehen um Mitternacht pfeifen oder rufen uns die nepalesischen Burschen nach: "I love your bubs" - klasser Busen - , und ein Mann, der hinter uns geht, sagt, ich dachte immer, die australischen Maenner benehmen sich Scheisse.
Nicole will zu einem Hindutempel fahren, wo Tiere geopfert werden. Wir erfragen an der Bustation die Abfahrtszeit und der Schaffner sagt, eine Stunde dreissig Minuten und da es kurz vor halb zwei ist, denke ich, er meint die Uhrzeit. Nach den ersten 500 Metern Fahrt ist klar, er meint die Fahrtdauer. Nicole sagt, es sind doch nur 20 Kilometer und ich sage, dafuer brauchen wir bestimmt zwei Stunden. Nach der Stadtgrenze und einer Stunde Fahrzeit gehts eine Bergstrasse hinauf. Ein Bus kommt uns entgegen, die Dachgalerie voller Menschen. Da weiss ich erst, was das Gepoltere ueber unseren Koepfen zu bedeuten hat: das Dach unseres Busses ist auch voll, nachdem unten bei bestem Willen niemand mehr hineingestopft werden konnte. Nach knapp zwei Stunden sind wir da und die drei Burschen, die hinter uns gesessen sind, wollen uns den TEmpel zeigen. Einer ist gerade aus Goa in Indien zurueckgekommen, wo er bereits die 5.Saison als Koch gearbeitet hat und spricht sehr gut englisch. Vom Tieropfer ist ausser dem Schlachtplatz nichts mehr zu sehen. Die Leute nehmen das Fleisch mit nach Hause, sagt er. Ich dachte immer, Hindus sind Vegetarier.
Wieder zurueck zur Busstation, damit wir den letzten Bus noch erreichen. Er kommt schon voll an und wenn wir mitfahren wollen, dann muessen wir aufs Dach hinauf. Wie soll ich da hinaufklettern, die Leiter aufs Dach hoert mit der hinteren Fensterscheibe auf. Aber ich schaffs. Oben zeigt mir der Bursch, dass er seine Flip-Flops auszieht und sich draufsetzt, damit der Hintern nicht so weh tut, wenn man auf den Galeriestaeben sitzt. Das Dach fuellt sich und ich setze mich mit dem Ruecken bergab und den Augen bergauf, damit ich nicht sehe, wie steil und eng die Strasse ist. Der Bursch neben mir drueckt mir jedesmal den Kopf hinunter, wenn wir knapp unter Aesten oder Stromkabeln durchfahren. In der hinteren Ecke sitzt ein ziemlich Betrunkener und macht in die Hose. Der Urin verteilt sich am hinteren Dach bis zu einer Querlatte, wo er nicht weiterkann, alle fluechten von dem Bereich des Dachs nach vorn, wos jetzt ziemlich eng wird. Der Schaffner steigt herauf, um von allen den Fahrpreis zu kassieren, bevor wir am Stadtrand von Kathmandu das Dach raeumen muessen.
Das Dach der Welt, das Himalayagebirge hab ich einmal beim Rueckflug aus Hongkong in der Nacht gesehen: eine dunkelbraune Masse. Beim Anflug auf Kathmandu ganz anders: weisse Schnee-oder Eisspitzen ragen aus der Wolkendecke in der gleichen Farbe, sodass ich ein paar Mal schauen muss, ob das auch wirklich Berggipfel sind. Dann der Kapitaen: Rechts im Nordosten der Mount Everest, links im Suedwesten der Annapurna, dazwischen die ganze Kette von Sieben-bis Achttausendern und weil man die heute so gut sieht, dreht er noch eine Ehrenrunde, wie mir scheint.
Nach Pokhara am Fusse der Himalayas kommen alle, um von hier ins Annapurna-Basecamp aufzubrechen. Ich nicht. Ich schaue mir die hoechsten Berge der Welt jetzt von unten an, wenn man sie sehen kann. Das ist nicht oft der Fall, nur am Morgen nach einem Gewitter. Die Biltze und der Donner ist so maechtig, wie die Berge praechtig sind. Von den niedrigeren Bergen schweben Paraglider durch die Luft. Nachdem mir immer mehr Leute erzaehlen, wie toll das ist und ich Peter kennenlerne, der Tandemfluege macht, entschliesse ich mich dazu. Wir fahren auf den Sarangkot, den Hausberg von Pokhara, etwas 1500 Meter hoch. Er breitet den Schirm aus, zieht mir meinen Rucksacksitz an, harkt mich an seinen Sitz und mit der naechsten Windboehe heisst es loslaufen Richtung Horizont. "Du darfst nicht stehenbleiben, bevor ich es dir sage, du bist wie die Spitze des Flugzeugs, wenn der Schnabel nach unten kippt, kann das Flugzeug nicht abheben." Nach fuenf Schritten ist die Absprungwiese zu Ende und ich laufe den Steilhang hinunter. Nach weiteren fuenf Schritten springe ich in die Luft, keinen Boden mehr unter den Fuessen und der Schirm traegt noch nicht, aber schon fliegen wir wie ein Vogel. Hinter uns die Berge und unter uns der See, wir steigen auf, schweben wieder hinunter, nach links und nach rechts und ich muss schreien. Peter hat ein Messgeraet und wenn es piept, bekommen wir Aufwind, einen Bergruecken entlang, bis zum naechsten, hinauf und wieder hinunter. Irgendwann bringen uns die Schleifen, die wir fliegen, der Erde immer naeher und wir landen auf einer Weide in der Naehe des Sees. Ich lege mich auf den Ruecken und schaue zum Himmel hinauf und denke mir, gerade war ich noch da oben und ich bin gluecklich.
Nicole will zu einem Hindutempel fahren, wo Tiere geopfert werden. Wir erfragen an der Bustation die Abfahrtszeit und der Schaffner sagt, eine Stunde dreissig Minuten und da es kurz vor halb zwei ist, denke ich, er meint die Uhrzeit. Nach den ersten 500 Metern Fahrt ist klar, er meint die Fahrtdauer. Nicole sagt, es sind doch nur 20 Kilometer und ich sage, dafuer brauchen wir bestimmt zwei Stunden. Nach der Stadtgrenze und einer Stunde Fahrzeit gehts eine Bergstrasse hinauf. Ein Bus kommt uns entgegen, die Dachgalerie voller Menschen. Da weiss ich erst, was das Gepoltere ueber unseren Koepfen zu bedeuten hat: das Dach unseres Busses ist auch voll, nachdem unten bei bestem Willen niemand mehr hineingestopft werden konnte. Nach knapp zwei Stunden sind wir da und die drei Burschen, die hinter uns gesessen sind, wollen uns den TEmpel zeigen. Einer ist gerade aus Goa in Indien zurueckgekommen, wo er bereits die 5.Saison als Koch gearbeitet hat und spricht sehr gut englisch. Vom Tieropfer ist ausser dem Schlachtplatz nichts mehr zu sehen. Die Leute nehmen das Fleisch mit nach Hause, sagt er. Ich dachte immer, Hindus sind Vegetarier.
Wieder zurueck zur Busstation, damit wir den letzten Bus noch erreichen. Er kommt schon voll an und wenn wir mitfahren wollen, dann muessen wir aufs Dach hinauf. Wie soll ich da hinaufklettern, die Leiter aufs Dach hoert mit der hinteren Fensterscheibe auf. Aber ich schaffs. Oben zeigt mir der Bursch, dass er seine Flip-Flops auszieht und sich draufsetzt, damit der Hintern nicht so weh tut, wenn man auf den Galeriestaeben sitzt. Das Dach fuellt sich und ich setze mich mit dem Ruecken bergab und den Augen bergauf, damit ich nicht sehe, wie steil und eng die Strasse ist. Der Bursch neben mir drueckt mir jedesmal den Kopf hinunter, wenn wir knapp unter Aesten oder Stromkabeln durchfahren. In der hinteren Ecke sitzt ein ziemlich Betrunkener und macht in die Hose. Der Urin verteilt sich am hinteren Dach bis zu einer Querlatte, wo er nicht weiterkann, alle fluechten von dem Bereich des Dachs nach vorn, wos jetzt ziemlich eng wird. Der Schaffner steigt herauf, um von allen den Fahrpreis zu kassieren, bevor wir am Stadtrand von Kathmandu das Dach raeumen muessen.
Das Dach der Welt, das Himalayagebirge hab ich einmal beim Rueckflug aus Hongkong in der Nacht gesehen: eine dunkelbraune Masse. Beim Anflug auf Kathmandu ganz anders: weisse Schnee-oder Eisspitzen ragen aus der Wolkendecke in der gleichen Farbe, sodass ich ein paar Mal schauen muss, ob das auch wirklich Berggipfel sind. Dann der Kapitaen: Rechts im Nordosten der Mount Everest, links im Suedwesten der Annapurna, dazwischen die ganze Kette von Sieben-bis Achttausendern und weil man die heute so gut sieht, dreht er noch eine Ehrenrunde, wie mir scheint.
Nach Pokhara am Fusse der Himalayas kommen alle, um von hier ins Annapurna-Basecamp aufzubrechen. Ich nicht. Ich schaue mir die hoechsten Berge der Welt jetzt von unten an, wenn man sie sehen kann. Das ist nicht oft der Fall, nur am Morgen nach einem Gewitter. Die Biltze und der Donner ist so maechtig, wie die Berge praechtig sind. Von den niedrigeren Bergen schweben Paraglider durch die Luft. Nachdem mir immer mehr Leute erzaehlen, wie toll das ist und ich Peter kennenlerne, der Tandemfluege macht, entschliesse ich mich dazu. Wir fahren auf den Sarangkot, den Hausberg von Pokhara, etwas 1500 Meter hoch. Er breitet den Schirm aus, zieht mir meinen Rucksacksitz an, harkt mich an seinen Sitz und mit der naechsten Windboehe heisst es loslaufen Richtung Horizont. "Du darfst nicht stehenbleiben, bevor ich es dir sage, du bist wie die Spitze des Flugzeugs, wenn der Schnabel nach unten kippt, kann das Flugzeug nicht abheben." Nach fuenf Schritten ist die Absprungwiese zu Ende und ich laufe den Steilhang hinunter. Nach weiteren fuenf Schritten springe ich in die Luft, keinen Boden mehr unter den Fuessen und der Schirm traegt noch nicht, aber schon fliegen wir wie ein Vogel. Hinter uns die Berge und unter uns der See, wir steigen auf, schweben wieder hinunter, nach links und nach rechts und ich muss schreien. Peter hat ein Messgeraet und wenn es piept, bekommen wir Aufwind, einen Bergruecken entlang, bis zum naechsten, hinauf und wieder hinunter. Irgendwann bringen uns die Schleifen, die wir fliegen, der Erde immer naeher und wir landen auf einer Weide in der Naehe des Sees. Ich lege mich auf den Ruecken und schaue zum Himmel hinauf und denke mir, gerade war ich noch da oben und ich bin gluecklich.
Mittwoch, 15. April 2009
Schlafen im Tempel
Der Bus von Mandalei nach Bagan faehrt mit eineinhalb Stunden Verspaetung ab. Nach zwanzig Minuten steht er wieder, Keilriemen gerissen, wir warten auf einen neuen. Nach einer Stunde Fahrt die naechste Reparatur. Wir stehen auf einer Art Dorfplatz und eine Gruppe Kinder beobachtet uns sechs Weisse aus sicherer Entfernung. Steve, ein grossgewachsener Amerikaner moechte sich ihnen naehern. Mit lautem GEschrei rennen sie weg. Wir fahren ein Stueck zum Dorf hinaus, wieder ein Stop. Nach drei weiteren Pannen das endgueltige Aus. Jemand muss nach Bagan, den Ort, den wir ansteuern und einen Ersatzbus organisieren. Wir warten am Rand einer staubigen Landstrasse und erreichen das dreihundert Kilometer entfernte Bagan nach zwoelf Stunden. Beim Abendessen erzaehlt ein Amerikaner, dass seine Mutter geweint hat, als er ihr sagte, er wolle nach Myanmar.
Ich borge mir ein Fahrrad aus, um die Tempel, Stupas und Pagoden rund um Bagan zu erfahren. Maedchen sitzen unter Baeumen, vor ihnen ein Tisch mit einem Tastentelefon, das Kabel verschwindet irgendwo zwischen den Aesten. Manchmal telefoniert auch jemand. Andere verkaufen Benzin in Ein-Liter-PLastikflaschen fuer zwanzig oder mehr Jahre alte Toyotas oder Kia-Busse, manche rechts und manche links gesteuert. Am Dorfplatz hinter dem dritten Baum eine Wirtin. Sie hebt die Deckel der Toepfe, damit ich mir das Essen aussuchen kann. Hendl, Schweinefleisch, Schweisnhaxen oder Rindfleisch. Ich nehme Rindfleisch, es ist ein pikantes Gulasch, dazu gibts Kuerbisgemuesesuppe, Reis und fuenf verschiedenen Salate, Erdaepfel mit Erdnuessen, Paradeiser mit Gruenzeug, Sojasprossen, Melanzani und Wurzelgemuese. Nach dem Essen nehmen die Leute ein Haeferl, das an einem Nagel am Baumstamm haengt und schoepfen Wasser aus einem Tonkrug und trinken es, ohne den Rand des Haeferls zu beruehren. Was auf dem Tisch in den Schuesseln uebrigbleib, wandert wieder in die Toepfen. Ein Bauer parkt seinen Ochsenkarren im Schatten ein, dahinter ein Lastwagen, die Ladeflaeche voller Menschen, heute ist Sonntag, ein Ausfluegstag.
Der suesse Duft von bluehenden Baeumen liegt in der Luft, es ist staubig und still in der Mittagshitze. Ich fahre weiter, hinunter zum Irrawadyfluss, breites Flussbett, die Haelfte davon Sandbaenke, dann eine kleine Anhoehe hinauf. Im 360 Grad Blickfeld ein TEmpel nach dem anderen, hinter dem anderen, neben dem anderen, rot, gold, weiss, alt, neu, gross, klein, etwa 4000 insgesamt. Einen alten roten Ziegelbau aehnlich Angkor Wat in Kambodscha will ich mir naeher anschauen. Die TEmpelhaendler am Zu- und Eingang kann ich abwehren, ich finde ein ruhiges PLaetzchen. Ein Maedchen kommt und breitet eine Decke auf dem Steinboden aus. "Ich bin muede, du auch, komm, schlafen wir eine Runde." Wir legen uns nebeneinander auf die Decke und machen die Augen zu. Als wir eine halbe Stunde spaeter durch Getrampel aufgeschreckt werden und ich mich aufsetze, steht eine Gruppe von dreissig Menschen um uns herum und starrt mich an. Zuerst starre ich zurueck, dann stehe ich auf, es ist Zeit, zu gehen.
Mit dem Rad zurueck im Ort sehe ich eine Tafel, die auf eine Wahrsagerin hinweist, bleibe stehen, gehe hinein und setze mich ihr gegenueber. Eine alte Frau mit markantem Gesicht, sieht nicht sehr asiatisch aus, grauen Haaren und viel weisser Paste im GEsicht. Ein Dolmetsch sitzt neben ihr. Sie schaut meine Handflaechen an und sagt, dass viele gute Geister um mich herum sind und auf mich aufpassen, meine Familie mich liebt, ich im Ausland arbeiten und erfolgreich sein werde, dann werde ich nach Oesterreich zurueckkehren. Heuer werde ich keinen Ehemann finden, ich werde ein langes Leben haben, wenn ich heirate, werde ich ein Kind haben und spaeter wird noch ein Adoptivsohn dazukommen. "Noch Fragen?", sagt sie und zuendet sie sich eine Cheerot, eine hiesige Zigarre an. "Nein", sage ich, bedanke mich, zahle und gehe.
Die Italiener und Belgier warten auf mich, wir sind bei einem burmesischen Maedchen eingeladen, dem sie Makeup, Parfum, Lippenstift, eine Jeans und Tops geschenkt haben. Sie holt uns ab und hat Geschenke - Lackarbeiten, fuer die sie hier bekannt sind, mitgebracht. Wir gehen mit ihr am Markt vorbei eine kleine GAsse hinein, finster, am Wegrand Dreck, Hunde und Schweine. Vor einer der Huetten bleibt sie stehen, mein Haus sagt sie. Die Gartentuer ist offen, denke ich, aber es ist die Haustuer. Drinnen ein PLateau etwa einen halben Meter hoch, 3x3 Meter, ein niedriger Tisch steht drauf, wir ziehen die Flip-Flops aus, steigen hinauf und setzen uns. Dahinter in der Ecke ein etwas gleich grosses Plateau, darauf liegt jemand. "Mein Vater", sagt das Maedchen, "er hat einen schlechten Fuss."
In der Ecke links ist eine Feuerstelle. Das Essen steht schon auf dem Tisch. Es gibt Reis, gebratenes Hendl und Fisch, Teeblattsalat, Sojasprossen, Spiegeleier. Das Maedchen, ihr Mann, ihre 2 Brueder, ihre Schwaegerin, ihre Mutter, ihre Tante und ihr Sohn schauen uns beim Essen zu. Das Maedchen sitzt neben uns und ihr Sohn setzt sich zu ihr. Er ist zweieinhalb und sie still ihn. Nichten und Neffen im etwa gleichen Alter sitzen daneben. Der juengere Bruder im Moenchsgewand mit Freund, auch Moench, schaut vorbei. Hunde und Schweine schauen bei der Tuer herein, hinter uns roechelt der alte Mann. Als noch ein paar Nachbarn kommen, muessen ein paar Leute die Leiter hinauf auf den Zwischenboden, wo sonst alle schlafen, steigen, um PLatz zu machen. Wir essen gerade soviel, damit es nicht unhoeflich ist und wir trotzdem nicht das Gefuehl haben, ihnen allzuviel wegzuessen.
Am naechsten Tag will ich meinen Flug zurueck nach Rangon und von dort nach Bangkok buchen. "Heute gibts keinen Strom, kein Telefon, kein Fax und kein Internet, vielleicht spaeter", sagt der Mann, den ich gerade aufgeweckt habe. Spaeter bucht er mir tatsaechlich die gewuenschten Fluege, ich bekomme ein Fax mit einer Nummer drauf, zahle und hoffe, dass das an den Flughaefen als Ticket oder zumindest Reservierungsnummer durchgeht. Dann halte ich auf der Strasse das naechste Pferdefuhrwerk auf, setze mich hinten in den PLanenwagen und sage zum Kutscher: "Zum Flughafen bitte."
In der Ecke links ist eine Feuerstelle. Das Essen steht schon auf dem Tisch. Es gibt Reis, gebratenes Hendl und Fisch, Teeblattsalat, Sojasprossen, Spiegeleier. Das Maedchen, ihr Mann, ihre 2 Brueder, ihre Schwaegerin, ihre Mutter, ihre Tante und ihr Sohn schauen uns beim Essen zu. Das Maedchen sitzt neben uns und ihr Sohn setzt sich zu ihr. Er ist zweieinhalb und sie still ihn. Nichten und Neffen im etwa gleichen Alter sitzen daneben. Der juengere Bruder im Moenchsgewand mit Freund, auch Moench, schaut vorbei. Hunde und Schweine schauen bei der Tuer herein, hinter uns roechelt der alte Mann. Als noch ein paar Nachbarn kommen, muessen ein paar Leute die Leiter hinauf auf den Zwischenboden, wo sonst alle schlafen, steigen, um PLatz zu machen. Wir essen gerade soviel, damit es nicht unhoeflich ist und wir trotzdem nicht das Gefuehl haben, ihnen allzuviel wegzuessen.
Am naechsten Tag will ich meinen Flug zurueck nach Rangon und von dort nach Bangkok buchen. "Heute gibts keinen Strom, kein Telefon, kein Fax und kein Internet, vielleicht spaeter", sagt der Mann, den ich gerade aufgeweckt habe. Spaeter bucht er mir tatsaechlich die gewuenschten Fluege, ich bekomme ein Fax mit einer Nummer drauf, zahle und hoffe, dass das an den Flughaefen als Ticket oder zumindest Reservierungsnummer durchgeht. Dann halte ich auf der Strasse das naechste Pferdefuhrwerk auf, setze mich hinten in den PLanenwagen und sage zum Kutscher: "Zum Flughafen bitte."
Freitag, 3. April 2009
Die Strasse nach Mandalei
Myanmar oder Birma oder Burma, wie immer man dieses Land nennt - es ist viel zu heiss hier. Um acht Uhr frueh komme ich am Flughafen in Rangon an und es hat 40 Grad, nach einer Nacht am Flughafen in Bangkok, der auf etwa 10 Grad gekuehlt ist. Ein netter TAxifahrer und Sohn bringt mich ins Hotel Beautiland 2, die Frauen gehen mit Schirmen auf der Strasse. Ich packe meinen Regenschirm aus und tue das gleiche. Ein alter Mann kommt mir entgegen, Geld wechseln?, fragt er - hier gibts keine Bankomaten. Nein, will ich sagen, ich habe schon, da zischt ein Fussball an unseren Koepfen vorbei. Ein Bub laeuft ihm nach. "Als ich jung war, habe ich das gleiche gemacht", sagt er und ich denke, in Europa kann das kein Opa mehr zu seinem Enkel sagen, Fussballspielen auf der Strasse ist vorbei.
Am Abend gehe ich in die Swedagonpagode, ein riesiges glockenfoermiges Gebilde in Gold. Ich setze mich in eine offene Saeulenhalle, vor mir treffen die letzten Sonnenstrahlen den Goldmantel und ein junger Mann stellt mir die ueblichen Fragen. Die erste ist wie immer "Woher kommst du?" und ich sage aus Oesterreich und er kennt Mozart und die Habsburger, Beethoven und Goethe. Da will ich wissen, was er macht. "Ich studiere Literaturwissenschaften", sagt er "und hab meine Diplomarbeit eingereicht, die Sommerferien haben heute begonnen". Ich will wissen, zu welchen Thema und er sagt "Neue burmesische Literatur im Vergleich" und ich denke, nichts koennte die Welt weniger interessieren.
Die zweite Frage ist immer, wie ich heisse. Ich sage Edith und er fragt, ob ich an einem Sonntag geboren bin und ich sage fast, 30 Minuten nach Mitternacht. Und er sagt, hier in Myanmar werden Kinder, die an einem Sonntag geboren sind, auf einen Namen getauft, der mit a,e,i,o,u anfaengt und wenn man an einem Montag geboren ist, bekommt man einen Namen, der mit k, ke, g, ga, nye anfaengt und er weiss auch, dass diese Buchstaben fuer einen Europaeer keinen grossen Unterschied machen. Ich frage nach seinem Namen und er sagt Nyein Moe, das heisst friedlicher Himmel oder Regen. Ich sage: "Also bist du auch an einem Montag geboren?" "Nein", sagt er, "mein Vater war Kommunist und hat nicht an diese Sachen geglaubt. Ihm hat der Name gefallen."
Eine Kehrbrigarde rueckt immer naeher und kehrt den Platz, jede Person hat in jeder Hand einen Besen. Zuerst eine Reihe Frauen, dann eine Reihe Maenner, dann eine Reihe mit Mistaufkehrern. "Heute ist Freitag, heute kehren die, die an einem Freitag geboren sind. Der Putzdienst ist Ehrensache, so kommen Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten zusammen, Arbeiter, Aerzte, Lehrer, Beamte und Bauern", erklaert mir mein Student. Obwohl hier niemand Schuhe tragen darf, ist es doch ganz schoen staubig. "Und die dort drueben mit dem Wasser, putzen die auch?", frage ich. "Nein, jeder betet bei seinem Geburtstagsbuddha und da gehoert dazu, dass man ihn mit Wasser uebergiesst. Wir koennen zu deinem Montagsbuddha gehen, er steht im Osten, ist dem Mond zugeordnet und wird von einem Tiger bewacht." Wir gehen hin. "Du musst so viele Schalen Wasser ueber ihn giessen, wie alt du bist." Das mach ich.
Wo ich in Myanmar noch hin will, will er wissen. Mandalei, Bagan und Inlesee, sage ich. Da ist es noch heisser als hier, sagt er, nur am Inlesee ist es kuehler, weil der etwas hoeher liegt. In der Nacht tropft mir der Schweiss beim Liegen in den Nacken und erst gegen morgen wirds etwas kuehler, da schreit auch schon der Muezzin von der nahen Moschee "Allah akba" - Gott ist gross. Ich buche einen Flug an den Inlesee. Am Abend gehe ich wieder in die Pagode und setze mich an die gleiche Stelle. Neben mir sitzt eine Familie: Grosseltern, Eltern, Kleinkind. Als das Kind in die Hose macht( die Kinder tragen keine Windeln), gehen sie . Dann kommt eine etwa 40-jaehrige Frau mit Halskette und Ohrringen, nimmt eine Art Rosenkranz aus der Tasche und beginnt mit lautem Gemurmel zu beten. Etwas spaeter eine aeltere, breitet eine Decke aus, setzt sich drauf und macht das gleiche, ist bestimmt die Mutter. Dazwischen laeutet immer wieder das Handy und das ist hier noch eine Seltenheit. Die Aeltere schaut ganz streng, wenn die Juengere nicht sofort abhebt.
Als es dunkel wird, gehe ich auf den hinteren PLatz, von dort kann man die Edelstein besetzte Spitze der Pagode funkeln sehen. Mein Student kommt mir entgegen, mit ihm ein buddhistischer Moench. Wir gehen hinunter in eine Teestube zum Reden und dann moechte der Moench mein Geburtsdatum wissen. Er kalkuliert mit den Zahlen und und dann sagt er: Ich bin eine geborene Chefin, meine Geschwister, Freunde und Kollegen hoeren auf mich, ich bin ruhig, denke logisch, ueberlege sehr sorgfaeltig und brauche deshalb laenger als andere, um eine Entscheidung zu treffen. In der Ehe habe ich kein Glueck, aber ab 52 wirds besser. Am besten passt ein Mann zu mir, der an einem Donnerstag geboren ist, am zweitbesten Dienstag, am schlechtesten Freitag. Mit meinen Eltern habe ich mich nicht gut verstanden bis ich 19 war. Verkauf oder Handel ist der beste Job fuer mich, besonders mit Gold, heller KLeidung und Elektrik. Ich wiederhole: Gold, Kleidung oder Elektrik. Nein, sagt er, Gold, heller Kleidung und Elektrik. Es ist besser, wenn ich an einem Ort lebe, der weit weg ist von meinem Geburtsort oder Land und einen Mann heirate, der von weit weg ist. Die letzten vier Monate des Jahre muss ich auf meine Gesundheit aufpassen, besonders auf den Kopf und das Hirn, es gibt Blut im Kopf, ein Unfall. "Was kann ich tun?", frage ich. "Ganz einfach", sagt er. Bestimmte Blueten und Blaetter unter den Kopfpolster legen und wir gehen nochmals in die Pagode, wo ich die Blumen kaufe und der Moench die Blaetter von einem Baum im Garten holt.
Vom Inlesee fuehrt ein Seitenarm durch den Ort Ngwe Shwang, die Boote tuckern wie frueher die TRaktoren. In dem Kanal haben bis zu 5 Boote nebeneinander PLatz, links und rechts wird ein- und ausgeladen, gehandelt, getratscht und dazwischen fuer ankommende oder durchfahrende Boote PLatz gemacht. An der Strasse daneben wird gerade ein Haus gebaut. Die Grundpfeiler aus Holz, der Fussboden etwa einen halben Meter ueber dem Boden, die Waende aus einem Bambusgeflecht und das Dach aus Stroh. Zehn Handwerker mit ihren Helfern haemmern und saegen, zwischen zwoelf und ein Uhr ist Mittagspause. Die Frauen tragen weisse Paste im Gesicht. Es ist das zu Pulver vermahlene Holz des Thanakhabaumes, schuetzt gegen Sonne und kuehlt die Haut. Nachmittags gehen junge Nonnen von einem Haus zum anderen und bekommen jedes Mal einen Loeffel REis in ihre Schuessel. Wenn es Strom gibt, plaerrt irgendwo ein RAdio oder alle sitzen vor einem Fernseher. Am See stehen die Maenner auf den schmalen langen Booten, rudern mit einem Bein und werfen ihre Netze aus. Zwischen See und Land schwimmen Gaerten, wo Paradeiser, Kraut und Erdaepfel wachsen. Die Haeuser stehen auf Stelzen, Wasserbueffel grasen zum Festland hin und am Abend werden sie gebadet. Wenn es finster ist, zuenden die Leute Kerzen an und alle paar Ecken sitzen Burschen zusammen, einer spielt Gitarre und sie singen die heimische Hitparade rauf und runter.
Vom Inlesee fuehrt ein Seitenarm durch den Ort Ngwe Shwang, die Boote tuckern wie frueher die TRaktoren. In dem Kanal haben bis zu 5 Boote nebeneinander PLatz, links und rechts wird ein- und ausgeladen, gehandelt, getratscht und dazwischen fuer ankommende oder durchfahrende Boote PLatz gemacht. An der Strasse daneben wird gerade ein Haus gebaut. Die Grundpfeiler aus Holz, der Fussboden etwa einen halben Meter ueber dem Boden, die Waende aus einem Bambusgeflecht und das Dach aus Stroh. Zehn Handwerker mit ihren Helfern haemmern und saegen, zwischen zwoelf und ein Uhr ist Mittagspause. Die Frauen tragen weisse Paste im Gesicht. Es ist das zu Pulver vermahlene Holz des Thanakhabaumes, schuetzt gegen Sonne und kuehlt die Haut. Nachmittags gehen junge Nonnen von einem Haus zum anderen und bekommen jedes Mal einen Loeffel REis in ihre Schuessel. Wenn es Strom gibt, plaerrt irgendwo ein RAdio oder alle sitzen vor einem Fernseher. Am See stehen die Maenner auf den schmalen langen Booten, rudern mit einem Bein und werfen ihre Netze aus. Zwischen See und Land schwimmen Gaerten, wo Paradeiser, Kraut und Erdaepfel wachsen. Die Haeuser stehen auf Stelzen, Wasserbueffel grasen zum Festland hin und am Abend werden sie gebadet. Wenn es finster ist, zuenden die Leute Kerzen an und alle paar Ecken sitzen Burschen zusammen, einer spielt Gitarre und sie singen die heimische Hitparade rauf und runter.
Ich gehe in den Ort und bestelle in einem Kaffeehaus schwarzen Kaffee, er kommt mit Zitrone. Schmeckt erfrischend. Am Abend treffe ich die Leute wieder, die ich bei der Bootsfahrt kennengelernt habe. Rachel und Enzo aus Italien, die in Caterbury eine Baeckerei haben, sind schon fertig. "Belgien duscht nocht", sagen sie. Mit Jurie und Gret aus Belgien gehen wir dann essen und am naechsten Tag gehts weiter nach Mandalei. Warum der Name dieses Ortes so einen magischen KLang hat, kann ich nicht feststellen. Etwas ausserhalb auf dem Huegel Sagain wieder viele Pagoden voller Gold und am Ufer des Irrawadyflusses eine Huette neben der anderen. "Wenn Regenzeit ist und der Wasserpegel ansteigt, werden die Huetten weggeschwemmt und die Menschen uebersiedeln auf die hoeher gelegene Strasse", sagt mein Fahrer. "Die Pagoden auf den Huegeln sind fuer die Moenche und Nonnen da."
Mittwoch, 18. März 2009
Wo ist dein Ehemann?
In Bangkok gehe ich nach elf Wochen Indien einkaufen. Es ist Samstag und wird ein Kulturschock fuer mich, in die andere Richtung. Und ich hab das Gefuehl, der Urlaub ist vorbei. Aber ich hab ja ein Sommerkleid an. Als ich das Einkaufszentrum verlasse, schlaegt mir die Hitze entgegen, es ist laut und aus den Kanaelen stinkt es. Was ist der Unterschied zwischen Indien und dem Westen, und Bangkok ist (fast) wie der Westen, hatte ich einen Inder gefragt. Die Antwort: Im Westen gibt es immer Strom, es ist sauber, alles faehrt puenktlich, die Leute halten sich an die Verkehrsregeln und es gibt keine streunenden Tiere.
Am Abend am Swimmingpool lerne ich Till kennen, einen Deutschen, der auf einer Insel war, wo sein Freund den Dreissiger gefeiert hat. "Morgen flieg ich zurueck, aber wenn du laenger bleibst, kannst du dir fuer den Pool im Marriotthotel, das gleich vorne an der Ecke ist, eine Tageskarte kaufen." Ich sage: "Wenn ich noch mit meinem Ex verheiratet waere, wuerde ich jetzt dort wohnen." Und er: "Was soll ich sagen, selber schuld", und wir muessen beide lachen und haben einen lustigen Abend, den ich bestimmt nicht gehabt haette, wenn ich im Marriott wohnen wuerde. Ich bin hier, um auf ein Visum nach Myanmar zu warten. Es kommt ein mail von Flori, dass morgen sein Lipom am linken Ellbogen operiert wird. Als Kind war das schon zweimal gemacht worden, zuletzt vor 15 Jahren. Jetzt ist es wieder sehr gross und die OP war fuer Dezember geplant gewesen, hat aber wegen Grippe nicht stattgefunden. Dem Onkel und zugleich Doktor Hik ist am morgigen Montag ein Patient ausgefallen, also kommt Flori dran. Ich denke, es wird alles gut gehen, der Mond ist im abnehmen. Zuerst schaut es gut aus, aber am Nachmittag blutet die Wunde nach und wird vom Onkel Doktor Hik nochmals geoeffnet. Ich kaufe mir eine thailaendische SIM-Karte fuers Handy, damit ich anrufen kann und bin einigermassen beruhigt, dass die Komplikationen vorbei sind und Flori auf dem Weg der Besserung.
Andrea und Sigi haben einen Thailandurlaub geplant und werden Ende der Woche in Bangkok eintreffen. Mein Visum hab ich schon, jetzt warte ich auf die beiden. Wir treffen uns wie vor drei Jahren in der Sunsetbar, als Andrea ihren Asienurlaub hier beendet und ich meinen hier begonnen hab. Wir fahren wie damals nach Chinatown und danach in die Skybar, wo sie uns aber nicht hineinlassen - lange Hosen fuer Maenner und Schuhe fuer Frauen. Damals war es nicht so streng, denn Chris, mein amerikanischer Begleiter hatte garantiert kurze Hosen an. Nach weiteren drei TAgen Bangkok gehts weiter nach Chiang Mai, einer Stadt in Nordthailand. Beim Stadtrundgang sehe ich auf einem Tempelgelaende das Schild "Fortuneteller" - Wahrsager - und eine Telefonnummer.
"Da gehe ich vielleicht hin", sage ich und Andrea fragt, ob ich keine Angst habe, dass er mir was Schlechtes vorraussagt. "Nein", sage ich, "was Schlechtes wuerden sie nicht sagen". Obwohl in der Sekunde faellt mir die Geschichte von Titziano Terzani ein. Ich habe sein Buch "A Fortuneteller told me" - ein Wahrsager hat mir prophezeit - vor Jahren gelesen. Er hat als jahrelanger Asienkorrespondent des "Spiegel" den Kontinent bereist ist immer wieder an verschiedenen Orten zu Wahrsagern gegangen. Einer hatte ihm gesagt, in einem bestimmten Jahr duerfe er nicht fliegen, das Flugzeug wuerde abstuerzen und er wuerde es nicht ueberleben. Als das Jahr naeher kam, machte er mit seinem Chefredakteur aus, dass er nur zu Land und zu Wasser reisen wuerde. Sollte ein EReignis einen rascheren Einsatz erfordern, wuerde ein Kollege hinfliegen. So geschah es auch und das Flugzeug stuertzte tatsaechlich ab, der Kollege ueberlebte. Danach nahm sich Terzani ein Jahr Auszeit und reiste auf dem Landweg von Asien in seine Heimatstadt Florenz und fuhr mit dem Schiff von Genua wieder zurueck. Das Buch beschreibt diese Ereignisse, aber mehr noch, wie aus einem kopfgesteuerten Westler ein Bhuddist wird, der sich dann in ein Kloster zum Meditieren zurueckzieht.
Andrea und Sigi fliegen am Sonntag nach KOh Samui und ich verbringe den TAg am Pool ihres Boutiquehotels. Als ich am Abend hinausgehe und mich nach Essen umschauen will, haben sich die Strassen in einen grossen Markt verwandelt, wo ich herumschlendere und dann stehe ich wieder vor dem Schild Fortuneteller. Ich gehe durch den Hof des TEmpels und sehe eine Frau vor einem Tisch sitzen, die mich zu sich winkt. Sie sagt: "Ich lese aus der Hand, aus den Karten und aus dem Gesicht, 200 Bhat." Das sind fuenf Euro und schon sitzte ich vor ihr. Die linke Hand ist fuer die Vergangenheit, das stimmt schon mal. Jetzt die rechte. "Oh, its a new man", sagt sie, ein neuer Mann, sagt sie immer wieder und ist dabei aufgeregter als ich. Und sehr praezise: im August werden wir uns treffen, er ist Geschaeftsmann mit Geld, in meinem Alter, mit weisser Hautfarbe und Englaender. Oder vielleicht aus Australien oder Neuseeland, da ist sie sich nicht sicher, jedenfalls nicht aus Europa. In den Karten ist er auch gleich praesent, sie kanns gar nicht fassen. Jedenfalls werden wir heiraten und naechstes Jahr in unseren Flitterwochen sollen wir bei ihr vorbeischauen. Dann darf ich sechs Fragen stellen, mir faellt gleich gar nichts ein, weil sie ueber alles Bescheid weiss und dauerd redet. Dann frage ich nach Kindern, Eltern, alles gut, sagt sie und meiner GEsundheit. "Stark wie ein junger Mann", ist die Antwort und das ueberprueft sie noch mit der Studie meines GEsichts.
Mit so viel Erkenntnis fahre ich weiter nach Pai, einem kleinen Ort noch weiter noerdlich, da ich von Chiang Mai sowieso nicht nach Myanmar kann, sondern nur von Bangkok. In Pai lerne ich ein thailaendisches Paar kennen, David und Sophia. Er ist Chirurg und sie haben zehn Jahre in Texas gelebt, aber ihre Eltern sind Chinesen. Wir schauen uns gemeinsam die Gegend an, einen Tempel, einen Wasserfall und ein chinesisches Dorf. Dann beim Kaffeetrinken fragt Sophia: "Glaubst du an Gott oder dem Wahrsager?" Da erzaehle ich von den Prophezeihungen und Sophia sagt: "Ich wollte dich sowieso die ganze Zeit fragen, wo dein Ehemann ist."
Freitag, 27. Februar 2009
Am Wasser
Jerome bekommt auf der Insel eine richtig dunkle Hautfarbe. "Die Leute halten mich fuer einen Inder", sagt er. Am Strand gibts eine Vollmondparty und sie wollten ihn fast nicht hineinlassen, denn Inder sind hier nicht zugelassen, die trinken zu viel, heisst es. Der Meeresspiegel steigt zuerst ganz stark an und geht dann sehr weit zurueck. Das Meer ist viele Meter weit trocken und es sieht aus wie eine Mondlandschaft im hellen Mondlicht. Jerome faehrt morgen zurueck nach Port Blair, sein Visum gilt nur mehr zwei Tage und er will nochmal nach Wandoor. Meins laeuft auch aus, aber ich bleibe noch zwei Tage hier. Auf der Ueberfahrt treffe ich Fabio wieder, er war inzwischen auf Neil Island, da gibts noch bessere Riffs zum Schnorcheln als in der Elefant beach.
Ich bin am Tag vor der Abreise dann doch noch hingefahren, zumindest so weit man fahren kann. Der Zugang zur Elefant beach ist versteckt, nur ein paar parkende Mopeds verraten ihn und ich verrate ihn einem Paar aus Schweden. Wir gehen gemeinsam einen kaum merkbaren Weg durch den Dschungel, hinter uns eine Gruppe Israelis, eine von ihnen war schon da. Das Maedchen erzaehlt, dass sie dabei war, als ein Bursche hier von einer Schlange gebissen wurde. Er blieb ganz cool, jemand hat die Schlange fotographiert, um das Gegengift bestimmen zu koennen. Dann haben sie ihn abtronsportiert und alles ist gut gegangen. Ich starre wie paralysiert auf den Weg, bin aber in der Mitte der Gruppe und hoffe, dass sich die Schlangen verzogen haben. Die Inder tragen deshalb Fussketten. Das Gebimmel hoeren die Schlangen schon von weitem und verkriechen sich. Nach einer halben Stunde Fussmarsch kommen wir zu einem Sumpf. "Wessen verdammte Idee war das denn?" fragt jemand und wir starren alle auf den Sumpf. Ein Bursche fasst sich ein Herz: "Da gehen jeden Tag Leute durch", sagt er und tut es auch. Wir gehen hinterher, der Sumpf ist erstaunlich fest, wir kommen an die Elefant beach und das Korallenriff ist nur ein paar Meter vom Strand entfernt. Ich schnorchle eine Weile herum und als ich merke, dass eine indische Familie mit dem Boot Richtung Hafen aufbricht, fahre ich mit ihnen zurueck.
Fabio lacht mich aus. Er hat zwar studiert, dann aber beschlossen, Biobauer zu werden und ist mit der Natur auf du und du. Er hat vor 5 jahren mit 27 gemeinsam mit einem Partner ein altes KLoster samt dazugehoerigen Laendereien gepachtet und muss demnaechst zurueck zur Landwirtschaft. Am Flughafen in Port Blair treffe ich Sewan wieder, wir hatten schon in Havelock festgestellt, dass wir am gleichen Tag nach Kalkutta fliegen. "Du warst aber gar nicht auf der Faehre", sage ich. "Nein, ich habe mich zwischenzeitlich verliebt und sie musste schon frueher abreisen, ihre Aufenthaltserlaubnis ist schon vor zwei Tagen abgelaufen. Also bin ich mit ihr hierher gefahren. In 2 Tagen treffen wir uns in Dehli."
In Kalkutta hab ich ein Zimmer im Fairlawn Hotel bekommen, 2 Maedchen in Havelock haben mir gesagt, man muss nur hartnaeckig genug sein. Ein altes Kolonialhaus mit einer 87-jaehrigen Besitzerin, fuenf Bedienste springen, wenn sie nur mit der Wimper zuckt. Ein Gong ruft zu den Mahlzeiten, gegessen wird gemeinsam, was die livrierten Diener servieren. Es gibt Chicken Tikka Masala, mein erstes Fleisch seit 11 Wochen und in Indien ueberhaupt, aber ich wollte das autentisch zubereitet ohnehin einmal kosten. Ich sitze mit Silvia, einer Italienerin an einem Tisch. "Heute ist mein 70. Geburtstag und die Leprakranken machen ein Fest fuer mich", sagt sie. Seit 9 Jahren kommt sie hierher, um fuer einen Monat im Jahr Freiwilligenarbeit zu leisten. "Ich habe eine Freundin aus Oesterreich, sie lebt allerdings in Argentinien. Sie heisst Pipi Mandel." Ich sage: "Doch nicht die Tochter von dem Mandel, der zuerst mit der Schauspielerin verheiratet war?" "Hedy Lamarr meinst du, ja genau der Fritz Mandel. Seine zweite Frau, ihre Mutter, war Argentinierin, so wie meine Mutter auch. Aber seine dritte Frau hat das ganze Geld abgeraeumt." Ich frage nicht, ob sie Juedin ist, aber sie erzaehlt, dass sie in Zuerich - am Weg - geboren wurde. "Wie ist denn Oesterreich jetzt ohne Haider? Warst du fuer oder gegen ihn?", fragt sie. "Na gegen, ist doch klar." "Und stimmt es, dass er schwul war?" "Na sicher, dass wusste doch eh jeder." "Na du vielleicht, aber sonst?" Ich schenke ihr einen Perlmuttarmreifen, den ich in Port Blair gekauft habe, zum Geburtstag. Sie freut sich und geht zu ihrem Fest.
Ich gehe mir die Stadt anschauen, zuerst zum Indian Coffee House im Univiertel, koennte auch in Wien sein. Voller Studenten und einigen gewesenen, ueberall wird heftig diskutiert, sodass man den Baustellenlaerm kaum hoert, es wird gerade renoviert. Und die Kellner typische Kaffeehauskellner, irgendwann bekommt man dann doch was. Wieder auf der Strasse sehe ich Waende voller Buecher, ein Buecherkiosk neben dem anderen, da gibts sicher alles, was man sonst wo auf der Welt nicht mehr findet. Dazwischen eine Studentendemo gegen die Kuerzung des Unibudgets. Im Taxi zum Victoriamemorial, an riesigen Parks vorbei, das gibt eine Idee von der Macht des Britischen Empire. Auf dem Weg zum Hotel treffe ich Sewan nochmals, wir essen gemeinsam, bevor er nach Dehli faehrt. Der GAstgarten vor dem Hotel ist TReffpunkt fuer Westler aller Art. Ich lerne John kennen, er kommt aus Kanada, hat in Frankreich und Japan gelebt und dann entdeckt, dass er sich in Indien zu Hause fuehlt. "Da hast du aber Glueck, dass du weisst, wo deine Wurzeln sind", sage ich. Er nickt mit dem Kopf so wie ein Inder, ja, nein,vielleicht. "Glueck oder nicht, hier ist die Erde, die mich naehrt", sagt er.
Am naechsten Tag fahre ich zuerst zum Blumenmarkt, Farben und Duefte, soweit man sehen und riechen kann und dann bin ich bereit fuer Mutter Teresa, ich fahre ins Mutterhaus. Als ich hinkomme, ist es gerade Mittag und eigentlich geschlosen. Zwei anderen Frauen stehen schon vor der Tuer und verhandeln wegen des Einlasse und so duerfen wir dann hinein. Ich gehe in den grossen Raum unten, wo ihr Sarkopharg steht und der als Kapelle dient. In dem Moment, wo ich ihn betrete, fange ich zu weinen an und weine und weine und weine. Es dauert lange, bis der Traenenfluss aufhoert. Dann schaue ich mir die Ausstellung zu ihrer Lebensgeschichte an und die Traenen kommen wieder. Inzwischen sind mehr Leute da und ein Inder fragt, ob wir ihre Stimme hoeren koennen. Eine Schwester macht die typische Kopfbewegung und ich muss denken an meine Kindergartentage, als die Klosterschwestern im Kindergarten eine Sparkasse aufgestellt hatten fuer die Mission, wie es hies. Wenn man eine Muenze hineinwarf, bewegte ein kleines Negerlein zum Dank den Kopf so wie die Inder. Und die Schwestern lasen immer wieder Geschichten vor, was das denn ist, die Mission. Eine davon endete mit: "Und sie zog ihre seidenen Struempfe aus und blieb bei den Armen, und ihnen zu helfen."
Am Abend im Hotel ist Silvia sehr gluecklich ueber ihre Geburtstagsfeier und zeigt Fotos. Eine junge Frau an unserem Tisch fragt, wie es denn gekommen ist, dass sie Leprakranke betreut. Silvia erzaehlt, dass sie vor 9 Jahren nach Hongkong geflogen ist, um ein Schmuckstueck fuer die Queen zu liefern. 2 Wochen spaeter sollte sie in Dubai sein. Und da hat sie sich mal Kalkutta angeschaut, liegt ja in der Mitte. Jetzt kommt mir der Armreifen, den ich ihr geschenkt habe, mikrig vor, aber sie traegt ihn. John ist wieder im Gastgarten draussen und fragt, wie mein Tag war. Ich erzaehle ihm vom Mutterhaus und von den Traenen. Da sagt er: "Bengalen, das ist der Staat, wo wir jetzt sind, ist die Heimat der watergypsies, also der Wasserzigeuner. Und das heisst auch, dass erwachsene Maenner, wenn sie eine Geschichte erzaehlen, zu heulen beginnen, so nahe am Wasser sind die gebaut." Da faellt mir meine Urgrossmutter ein, die ich sehr gern hatte und die gestorben ist, als ich 10 Jahre alt war. Ihre Mutter war Zigeunerin, wird erzaehlt. Und mir kommt vor, als waere sie gerade hier hinter dem Vorhang verschwunden, nachdem sie mich den ganzen Tag begleitet hat. "Vielleicht hast du ja auch deine Wurzeln gefunden", sagt John.
Ich bin am Tag vor der Abreise dann doch noch hingefahren, zumindest so weit man fahren kann. Der Zugang zur Elefant beach ist versteckt, nur ein paar parkende Mopeds verraten ihn und ich verrate ihn einem Paar aus Schweden. Wir gehen gemeinsam einen kaum merkbaren Weg durch den Dschungel, hinter uns eine Gruppe Israelis, eine von ihnen war schon da. Das Maedchen erzaehlt, dass sie dabei war, als ein Bursche hier von einer Schlange gebissen wurde. Er blieb ganz cool, jemand hat die Schlange fotographiert, um das Gegengift bestimmen zu koennen. Dann haben sie ihn abtronsportiert und alles ist gut gegangen. Ich starre wie paralysiert auf den Weg, bin aber in der Mitte der Gruppe und hoffe, dass sich die Schlangen verzogen haben. Die Inder tragen deshalb Fussketten. Das Gebimmel hoeren die Schlangen schon von weitem und verkriechen sich. Nach einer halben Stunde Fussmarsch kommen wir zu einem Sumpf. "Wessen verdammte Idee war das denn?" fragt jemand und wir starren alle auf den Sumpf. Ein Bursche fasst sich ein Herz: "Da gehen jeden Tag Leute durch", sagt er und tut es auch. Wir gehen hinterher, der Sumpf ist erstaunlich fest, wir kommen an die Elefant beach und das Korallenriff ist nur ein paar Meter vom Strand entfernt. Ich schnorchle eine Weile herum und als ich merke, dass eine indische Familie mit dem Boot Richtung Hafen aufbricht, fahre ich mit ihnen zurueck.
Fabio lacht mich aus. Er hat zwar studiert, dann aber beschlossen, Biobauer zu werden und ist mit der Natur auf du und du. Er hat vor 5 jahren mit 27 gemeinsam mit einem Partner ein altes KLoster samt dazugehoerigen Laendereien gepachtet und muss demnaechst zurueck zur Landwirtschaft. Am Flughafen in Port Blair treffe ich Sewan wieder, wir hatten schon in Havelock festgestellt, dass wir am gleichen Tag nach Kalkutta fliegen. "Du warst aber gar nicht auf der Faehre", sage ich. "Nein, ich habe mich zwischenzeitlich verliebt und sie musste schon frueher abreisen, ihre Aufenthaltserlaubnis ist schon vor zwei Tagen abgelaufen. Also bin ich mit ihr hierher gefahren. In 2 Tagen treffen wir uns in Dehli."
In Kalkutta hab ich ein Zimmer im Fairlawn Hotel bekommen, 2 Maedchen in Havelock haben mir gesagt, man muss nur hartnaeckig genug sein. Ein altes Kolonialhaus mit einer 87-jaehrigen Besitzerin, fuenf Bedienste springen, wenn sie nur mit der Wimper zuckt. Ein Gong ruft zu den Mahlzeiten, gegessen wird gemeinsam, was die livrierten Diener servieren. Es gibt Chicken Tikka Masala, mein erstes Fleisch seit 11 Wochen und in Indien ueberhaupt, aber ich wollte das autentisch zubereitet ohnehin einmal kosten. Ich sitze mit Silvia, einer Italienerin an einem Tisch. "Heute ist mein 70. Geburtstag und die Leprakranken machen ein Fest fuer mich", sagt sie. Seit 9 Jahren kommt sie hierher, um fuer einen Monat im Jahr Freiwilligenarbeit zu leisten. "Ich habe eine Freundin aus Oesterreich, sie lebt allerdings in Argentinien. Sie heisst Pipi Mandel." Ich sage: "Doch nicht die Tochter von dem Mandel, der zuerst mit der Schauspielerin verheiratet war?" "Hedy Lamarr meinst du, ja genau der Fritz Mandel. Seine zweite Frau, ihre Mutter, war Argentinierin, so wie meine Mutter auch. Aber seine dritte Frau hat das ganze Geld abgeraeumt." Ich frage nicht, ob sie Juedin ist, aber sie erzaehlt, dass sie in Zuerich - am Weg - geboren wurde. "Wie ist denn Oesterreich jetzt ohne Haider? Warst du fuer oder gegen ihn?", fragt sie. "Na gegen, ist doch klar." "Und stimmt es, dass er schwul war?" "Na sicher, dass wusste doch eh jeder." "Na du vielleicht, aber sonst?" Ich schenke ihr einen Perlmuttarmreifen, den ich in Port Blair gekauft habe, zum Geburtstag. Sie freut sich und geht zu ihrem Fest.
Ich gehe mir die Stadt anschauen, zuerst zum Indian Coffee House im Univiertel, koennte auch in Wien sein. Voller Studenten und einigen gewesenen, ueberall wird heftig diskutiert, sodass man den Baustellenlaerm kaum hoert, es wird gerade renoviert. Und die Kellner typische Kaffeehauskellner, irgendwann bekommt man dann doch was. Wieder auf der Strasse sehe ich Waende voller Buecher, ein Buecherkiosk neben dem anderen, da gibts sicher alles, was man sonst wo auf der Welt nicht mehr findet. Dazwischen eine Studentendemo gegen die Kuerzung des Unibudgets. Im Taxi zum Victoriamemorial, an riesigen Parks vorbei, das gibt eine Idee von der Macht des Britischen Empire. Auf dem Weg zum Hotel treffe ich Sewan nochmals, wir essen gemeinsam, bevor er nach Dehli faehrt. Der GAstgarten vor dem Hotel ist TReffpunkt fuer Westler aller Art. Ich lerne John kennen, er kommt aus Kanada, hat in Frankreich und Japan gelebt und dann entdeckt, dass er sich in Indien zu Hause fuehlt. "Da hast du aber Glueck, dass du weisst, wo deine Wurzeln sind", sage ich. Er nickt mit dem Kopf so wie ein Inder, ja, nein,vielleicht. "Glueck oder nicht, hier ist die Erde, die mich naehrt", sagt er.
Am naechsten Tag fahre ich zuerst zum Blumenmarkt, Farben und Duefte, soweit man sehen und riechen kann und dann bin ich bereit fuer Mutter Teresa, ich fahre ins Mutterhaus. Als ich hinkomme, ist es gerade Mittag und eigentlich geschlosen. Zwei anderen Frauen stehen schon vor der Tuer und verhandeln wegen des Einlasse und so duerfen wir dann hinein. Ich gehe in den grossen Raum unten, wo ihr Sarkopharg steht und der als Kapelle dient. In dem Moment, wo ich ihn betrete, fange ich zu weinen an und weine und weine und weine. Es dauert lange, bis der Traenenfluss aufhoert. Dann schaue ich mir die Ausstellung zu ihrer Lebensgeschichte an und die Traenen kommen wieder. Inzwischen sind mehr Leute da und ein Inder fragt, ob wir ihre Stimme hoeren koennen. Eine Schwester macht die typische Kopfbewegung und ich muss denken an meine Kindergartentage, als die Klosterschwestern im Kindergarten eine Sparkasse aufgestellt hatten fuer die Mission, wie es hies. Wenn man eine Muenze hineinwarf, bewegte ein kleines Negerlein zum Dank den Kopf so wie die Inder. Und die Schwestern lasen immer wieder Geschichten vor, was das denn ist, die Mission. Eine davon endete mit: "Und sie zog ihre seidenen Struempfe aus und blieb bei den Armen, und ihnen zu helfen."
Am Abend im Hotel ist Silvia sehr gluecklich ueber ihre Geburtstagsfeier und zeigt Fotos. Eine junge Frau an unserem Tisch fragt, wie es denn gekommen ist, dass sie Leprakranke betreut. Silvia erzaehlt, dass sie vor 9 Jahren nach Hongkong geflogen ist, um ein Schmuckstueck fuer die Queen zu liefern. 2 Wochen spaeter sollte sie in Dubai sein. Und da hat sie sich mal Kalkutta angeschaut, liegt ja in der Mitte. Jetzt kommt mir der Armreifen, den ich ihr geschenkt habe, mikrig vor, aber sie traegt ihn. John ist wieder im Gastgarten draussen und fragt, wie mein Tag war. Ich erzaehle ihm vom Mutterhaus und von den Traenen. Da sagt er: "Bengalen, das ist der Staat, wo wir jetzt sind, ist die Heimat der watergypsies, also der Wasserzigeuner. Und das heisst auch, dass erwachsene Maenner, wenn sie eine Geschichte erzaehlen, zu heulen beginnen, so nahe am Wasser sind die gebaut." Da faellt mir meine Urgrossmutter ein, die ich sehr gern hatte und die gestorben ist, als ich 10 Jahre alt war. Ihre Mutter war Zigeunerin, wird erzaehlt. Und mir kommt vor, als waere sie gerade hier hinter dem Vorhang verschwunden, nachdem sie mich den ganzen Tag begleitet hat. "Vielleicht hast du ja auch deine Wurzeln gefunden", sagt John.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Shanti, Shanti
Die Tsunamibar liegt gleich neben dem Guesthouse im Dschungel, wo die Bungalows keine Waende haben - es sind Baumhaeuser. Auf den Inseln gibt es noch Eingeborenenvoelker, die beim Tsunami nicht zu Schaden kamen, weil sie rechtzeitig ins Landesinnere geflohen sind. Die bekommen wir natuerlich nicht zu Gesicht. Jerome und ich fahren mit dem Glasbodenboot hinaus zu dem Korallenriff. Besser als das Riff finde ich ein Ehepaar mit Baby, das den Ausflug auch macht. Der Bootsjunge haelt das Baby, vier Monate alt, wie ich spaeter erfahre, waehrend die beiden schnorcheln. Sie gehoeren zu den Shiks, denn er hat die Haare mit einem Tuch hinaufgebunden und als sie wieder aus dem Wasser wollen, muessen sie die Frau zu dritt herausziehen.
Am naechsten TAg fahren wir gemeinsam mit der Faehre auf die Insel Havelock. Auf der Ueberfahrt sehen wir jede Menge fliegende Fische, das heisst, sie springen nicht nur aus dem Wasser, sie fliegen tatsaechlich ein paar Meter und bewegen die Flossen dabei wie Fluegel. Jerome will weiter auf Neil-Island, ich will auf Strand NUmmer 7. Der soll laut Time Magazine der schoenste Strand Asien sein. Diana, eine verrueckt laute Englaenderin organisiert bereits, wer mit wem wohin faehrt. Mit einem Jeep fahre ich gemeinsam mit fuenf anderen noch zehn Kilometer und dann sind wir da: smaragdgruenes Wasser, weisser Sand, Mangrovenbaeume und SONST NICHTS ausser Sandfloehe, die mich sofort beissen. Also nichts ist perfekt, aber fuer mich ist es der schoenste Strand der Welt, soweit ich sie bis jetzt kenne. Zurueck im Guesthouse haengt Fabio, ein Italiener gerade die Haengematte auf und bringt ein Bier. Ich lege mich hinein, daneben klimpert jemand auf der Gitarre und ich schaue durch die Palmwipfel hindurch zu den Sternen hinauf.
Am nachsten Tag auf dem Weg zum Strand ueberholt mich Jerome mit dem Fahhrad. "Ich denke, du bist auf Neilisland", sage ich. "Da ging dann keine Faehre mehr und Strand Nummer 5 ist auch sehr schoen, aber Nummer 7 musste ich mir doch anschauen", sagt Jerome. Wir gehen gemeinsam an den Strand und erzaehlt mir, dass er die Familie seines Vaters in Benin besucht hat und auch schon in Madagaskar war. Und nach Indien ist er gekommen, um eventuell in Bangalore zu arbeiten. Er ist vielleicht dreissig und Motorenkonstrukteur, zur Zeit fuer Hubschrauber. "Aber in Bangalore ist nichts, wenn die Arbeit aus ist, kannst du nirgends hingehen." "Das ist so wie hier, wenn es finster ist, gibts Abendessen und dann ins Bett." "Bei mir am Strand gibt ein nettes Lokal"' sagt Jerome. Am naechsten Tag ziehe ich um.
Im Dorf wird gerade ein Fest fuer Lord Krishna vorbereitet. Ist es Zufall, ist es die Jahreszeit oder ist es Indien? Zuerst
christlich Weihnachten in Goa
moslemische Moharrum in Hampi
hinduistisches Mahar Sankranti in Gokarna
hinduistisches Rawi Dass Jayanti in Havelock
Dazwischen die Sadhus, die Wandermoenche und Leute, die erzaehlen, dass sie in einem Ashram, einer Art Kloster gelebt haben und Buddhisten und Juden. "Ist Indien ein heiliges Land?", frage ich einen Inder. Er bewegt seinen Kopf, so wie alle hier den Kopf bewegen und das kann heissen ja, nein oder vielleicht. Denn es ist eine liegenden Acht, die sie beschreiben.
Bei Einbruch der Dunkelheit lockt mich lautes TRommeln auf die Strasse. Eine Gruppe von Leuten geht von einem Andachtsort zum naechsten. Eine Frau ist weiss geschminkt im GEsicht, ein Mann traegt ein blumengeschmuecktes Boot auf dem Kopf und eine andere Frau einen Korb mit Fruechten. Sie tanzen sich in Trance, zwei Maenner blasen ihnen mit Pfeifen ins Ohr, wenn es am wildesten ist, schuettet jemand der weisgeschminkten Frau einen Kuebel voll Wasser ueber den Kopf und jemand anderer schlaegt zwei rohe Eier in die Wasserlacke. Dann ziehen sie weiter.
Am Abend gibts ein FEstessen in der Markthalle. Etwa 400 Leute sitzen in acht Reihen am Boden, vor ihnen liegen Bananenblaetter und Maenner und Frauen gehen mit Kuebel voller Reis oder GEmuese herum. Jeder bekommt zuerst einen Schoepfer REis und darauf einen Schoepfer Gemuese in Sosse. Den ganze Tag schon wurde in riesigen Toepfen auf offenem Feuer gekocht, junge Maenner wurden mit Saecken voll Reis aufgewogen, die dann unter lautem Geschrei gespendet wurden, dazwischen haben Musikanten gepielt und rundherum sind Schaubuden mit allerlei Krimskrams aufgebaut. Ein richtiger Kirtag eben.
Ich habe mich mit zwei britischen Paaren angefreundet, Nick und Harry waren heute erfolgreich zum Fischen und die Fische gibts zum Abendessen. Hoffentlich. Es ist schon zehn Uhr vorbei und wir fragen den Manager, wann es denn soweit sein wird. "Shanti, Shanti", sagt er, das heisst eigentlich Frieden, aber hier wohl eher: nur mit der Ruhe. "Die Fische sind sehr gross und wir muessen sie langsam garen." Nick versteht das, er ist selber Koch, hat gemeinsam mit seiner Freundin Dawn ein Pub betrieben und es jetzt gerade verkauft, rechtzeitig, wie beide meinen. "Ich bin 30, er ist 40, ohne Job und ohne Haus", meint sie halb im Scherz. Charlotte und Harry auch, aber die sind beide erst 25. Eine Frau in meinem Alter kommt auf mich zu. "Ich kenne dich", sagt sie und ich schaue sie fragend an. Sie ueberlegt: Faehre, Chennai, nein, jetzt weiss ichs, es war voriges jahr in Laos. Da hat sie recht, Luang Prabang, schon wieder ein heiliger Ort, wir haben uns beim Kajakfahren kennen gelernt. Cindy und ihr Mann Tom haben eine Galerie in Nova Scotia in Kanada und reisen das halbe Jahr in Asien herum, um dafuer einzukaufen. Ich glaube, die Geschichte hat umgekehrt angefangen, zuerst sind sie gereist und haben eingekauft und dann wollten sie das Zeug verkaufen und haben eine Gallerie eroeffnet. Jedenfalls hat sie mir die Adresse eines Hotels in Hanoi gegeben, das genau gepasst hat. Wir haben uns nur zwei Mal gesehen und jetzt muessen wir sehr lachen und haben uns viel zu erzaehlen. Dass die Fische erst um Mitternacht auf den Tisch kommen, stoert niemanden mehr.
Am naechsten TAg fahren wir gemeinsam mit der Faehre auf die Insel Havelock. Auf der Ueberfahrt sehen wir jede Menge fliegende Fische, das heisst, sie springen nicht nur aus dem Wasser, sie fliegen tatsaechlich ein paar Meter und bewegen die Flossen dabei wie Fluegel. Jerome will weiter auf Neil-Island, ich will auf Strand NUmmer 7. Der soll laut Time Magazine der schoenste Strand Asien sein. Diana, eine verrueckt laute Englaenderin organisiert bereits, wer mit wem wohin faehrt. Mit einem Jeep fahre ich gemeinsam mit fuenf anderen noch zehn Kilometer und dann sind wir da: smaragdgruenes Wasser, weisser Sand, Mangrovenbaeume und SONST NICHTS ausser Sandfloehe, die mich sofort beissen. Also nichts ist perfekt, aber fuer mich ist es der schoenste Strand der Welt, soweit ich sie bis jetzt kenne. Zurueck im Guesthouse haengt Fabio, ein Italiener gerade die Haengematte auf und bringt ein Bier. Ich lege mich hinein, daneben klimpert jemand auf der Gitarre und ich schaue durch die Palmwipfel hindurch zu den Sternen hinauf.
Am nachsten Tag auf dem Weg zum Strand ueberholt mich Jerome mit dem Fahhrad. "Ich denke, du bist auf Neilisland", sage ich. "Da ging dann keine Faehre mehr und Strand Nummer 5 ist auch sehr schoen, aber Nummer 7 musste ich mir doch anschauen", sagt Jerome. Wir gehen gemeinsam an den Strand und erzaehlt mir, dass er die Familie seines Vaters in Benin besucht hat und auch schon in Madagaskar war. Und nach Indien ist er gekommen, um eventuell in Bangalore zu arbeiten. Er ist vielleicht dreissig und Motorenkonstrukteur, zur Zeit fuer Hubschrauber. "Aber in Bangalore ist nichts, wenn die Arbeit aus ist, kannst du nirgends hingehen." "Das ist so wie hier, wenn es finster ist, gibts Abendessen und dann ins Bett." "Bei mir am Strand gibt ein nettes Lokal"' sagt Jerome. Am naechsten Tag ziehe ich um.
Im Dorf wird gerade ein Fest fuer Lord Krishna vorbereitet. Ist es Zufall, ist es die Jahreszeit oder ist es Indien? Zuerst
christlich Weihnachten in Goa
moslemische Moharrum in Hampi
hinduistisches Mahar Sankranti in Gokarna
hinduistisches Rawi Dass Jayanti in Havelock
Dazwischen die Sadhus, die Wandermoenche und Leute, die erzaehlen, dass sie in einem Ashram, einer Art Kloster gelebt haben und Buddhisten und Juden. "Ist Indien ein heiliges Land?", frage ich einen Inder. Er bewegt seinen Kopf, so wie alle hier den Kopf bewegen und das kann heissen ja, nein oder vielleicht. Denn es ist eine liegenden Acht, die sie beschreiben.
Bei Einbruch der Dunkelheit lockt mich lautes TRommeln auf die Strasse. Eine Gruppe von Leuten geht von einem Andachtsort zum naechsten. Eine Frau ist weiss geschminkt im GEsicht, ein Mann traegt ein blumengeschmuecktes Boot auf dem Kopf und eine andere Frau einen Korb mit Fruechten. Sie tanzen sich in Trance, zwei Maenner blasen ihnen mit Pfeifen ins Ohr, wenn es am wildesten ist, schuettet jemand der weisgeschminkten Frau einen Kuebel voll Wasser ueber den Kopf und jemand anderer schlaegt zwei rohe Eier in die Wasserlacke. Dann ziehen sie weiter.
Am Abend gibts ein FEstessen in der Markthalle. Etwa 400 Leute sitzen in acht Reihen am Boden, vor ihnen liegen Bananenblaetter und Maenner und Frauen gehen mit Kuebel voller Reis oder GEmuese herum. Jeder bekommt zuerst einen Schoepfer REis und darauf einen Schoepfer Gemuese in Sosse. Den ganze Tag schon wurde in riesigen Toepfen auf offenem Feuer gekocht, junge Maenner wurden mit Saecken voll Reis aufgewogen, die dann unter lautem Geschrei gespendet wurden, dazwischen haben Musikanten gepielt und rundherum sind Schaubuden mit allerlei Krimskrams aufgebaut. Ein richtiger Kirtag eben.
Ich habe mich mit zwei britischen Paaren angefreundet, Nick und Harry waren heute erfolgreich zum Fischen und die Fische gibts zum Abendessen. Hoffentlich. Es ist schon zehn Uhr vorbei und wir fragen den Manager, wann es denn soweit sein wird. "Shanti, Shanti", sagt er, das heisst eigentlich Frieden, aber hier wohl eher: nur mit der Ruhe. "Die Fische sind sehr gross und wir muessen sie langsam garen." Nick versteht das, er ist selber Koch, hat gemeinsam mit seiner Freundin Dawn ein Pub betrieben und es jetzt gerade verkauft, rechtzeitig, wie beide meinen. "Ich bin 30, er ist 40, ohne Job und ohne Haus", meint sie halb im Scherz. Charlotte und Harry auch, aber die sind beide erst 25. Eine Frau in meinem Alter kommt auf mich zu. "Ich kenne dich", sagt sie und ich schaue sie fragend an. Sie ueberlegt: Faehre, Chennai, nein, jetzt weiss ichs, es war voriges jahr in Laos. Da hat sie recht, Luang Prabang, schon wieder ein heiliger Ort, wir haben uns beim Kajakfahren kennen gelernt. Cindy und ihr Mann Tom haben eine Galerie in Nova Scotia in Kanada und reisen das halbe Jahr in Asien herum, um dafuer einzukaufen. Ich glaube, die Geschichte hat umgekehrt angefangen, zuerst sind sie gereist und haben eingekauft und dann wollten sie das Zeug verkaufen und haben eine Gallerie eroeffnet. Jedenfalls hat sie mir die Adresse eines Hotels in Hanoi gegeben, das genau gepasst hat. Wir haben uns nur zwei Mal gesehen und jetzt muessen wir sehr lachen und haben uns viel zu erzaehlen. Dass die Fische erst um Mitternacht auf den Tisch kommen, stoert niemanden mehr.
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